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Wechsel von der Pille auf NFP
Viele Frauen wechseln von hormoneller Verhütung auf NFP. Die Gründe dafür sind vielfältig: Manche wechseln, weil sie sich mit dieser Verhütung nicht mehr wohl fühlen, weil sie nicht mehr ihren Körper beeinflussen wollen, weil sie Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Zwischenblutungen oder Libidoverlust haben, oder einfach, weil sie Geld sparen möchten. Einige Frauen möchten auch nur ihren Zyklus beobachten, weil sie wissen möchten, ob damit alles in Ordnung ist, d. h. ob sie Eisprünge haben und wann ihre Menstruation einsetzt. Wieder andere möchten mit NFP gezielt schwanger werden. Wenn man von nichthormonellen Methoden auf NFP umsteigt muss nichts besonderes beachtet werden - außer, dass die ersten 5 Zyklustage des 1. Zyklus nicht als unfruchtbar betrachtet werden können - und dies wird daher nicht thematisiert.
Nach dem Absetzen der Pille (Mikropille und Minipille bzw. auch Vaginalring, Verhütungsstäbchen und Verhütungspflaster,3-Monats-Sprize, ausgenommen der Hormonspirale) kann NFP direkt zur Verhütung eingesetzt werden. Die ersten 5 Zyklustage mit Beginn der so genannten Abbruchblutung gelten als unfruchtbar (in doppelter Kontrolle mit dem Zervixschleim oder dem Muttermund) sowie die Zeit nach dem Eisprung. Es muss lediglich im ersten Zyklus Post Pill ein weiterer Temperaturwert abgewartet werden. Dies gilt allerdings nur dann, wenn auch eine Abbruchblutung stattfindet, die bei allen hormonellen Verhütungsformen auch ausbleiben kann. In dem Fall kann man nur die Zeit nach dem ausgewerteten Eisprung als unfruchtbar annehmen.
Leider können sich in den ersten Zyklen nach dem Absetzen Probleme einstellen, die Geduld erfordern. Bei über 50% der Frauen ist der Zyklus sofort wieder regelmäßig, bei vielen dauert es allerdings eine gewisse Zeit, bis sich regelmäßige Eisprünge einstellen. Dies kann unter Umständen bis zu einem Jahr dauern. Sollte dauerhaft keine Besserung eintreten liegt es nahe, dass eine Hormonstörung vorliegt. In diesem Fall sollte der Frauenarzt aufgesucht werden, um organische Probleme abzuklären und danach der Endokrinologe, der die Schilddrüse und die Sexualhormone überprüfen kann. Die Therapie von Hormonstörungen muss nicht zwingend die Pille sein und daher muss auch hier NFP nicht kategorisch ausgeschlossen werden. Generell funktioniert die Methode auch bei sehr langen, unregelmäßigen Zyklen sicher, allerdings ist der Zeitraum, in dem zusätzlich mit Barrieremethoden verhütet werden muss, relativ lang.
Vorübergehende, NFP-betreffende Nebenwirkungen, die durch das Absetzen der Pille entstehen können sind:
- Lange Zyklen über 36 Tage bis hin zu monatelangen Zyklen
- Kurze Hochlagen (unter 10 Tagen)
- Monophasische Zyklen (Zyklen ohne Eisprung)
Zyklus unter der Pille
Hat man unter der Pille eine Periode? Regelt sie den Zyklus?
Viele Frauen unterliegen dem Irrglauben, sie hätten unter der Pille (hier: die normale einphasige Mikropille bzw. Vaginalring, Pflaster) einen richtigen Zyklus und eine echte Periode. Dies ist ein weit verbreiteter Irrtum.
Mit der Pille nimmt man 21 Tage (die Anzahl der Tage wurde willkürlich festgelegt) die Hormone Ethinylestradiol (künstliches Östrogen) und Gestagen (künstliches Progesteron) auf und befindet sich (einfacher Vergleich) in der Zeit in einer Dauerhochlage. Der Vergleich mit einer Schwangerschaft, der sehr gebräuchlich ist, ist eher unpassend, da außer einer verlängerten Hochlage keine Gemeinsamkeiten bestehen.
Immer nach 21 Tagen leitet man durch das Absetzen der Hormone eine künstliche Blutung ein. Dadurch, dass der Hormonlevel hoch genug ist, um einen Eisprung zuverlässig zu verhindern, kann man 7 Tage Pause einlegen. Man könnte allerdings bereits nach 14 Tagen in die Pause gehen oder auch erst nach viel mehr Pillen, da der Hormonlevel bereits nach 14 Pillen ausreichend hoch ist und nach weiteren angehängten Pillen in etwa konstant gleich hoch bleibt und nicht weiter ansteigt.
Da die Blutung künstlich ist, hat sie auch keinen biologischen Nutzen, sagt nichts über eine bestehende Schwangerschaft aus, wie viele Frauen glauben. Wenn die Blutung ausbleibt, was als eine Nebenwirkung durchaus passieren kann, ist dies kein Grund zur Sorge, solange keine Einnahmefehler gemacht wurden.
Daher kann die Pille auch über Monate durchgenommen werden für den sogenannten Langzeitzyklus. Dies ist nicht schädlicher als die normale Einnahme und z.B. hier nachzulesen: www.langzyklus.de. Er hat den Vorteil, dass die künstliche Blutung nur noch selten stattfindet. Außerdem bedeutet es weniger Stress für den Körper (z.T. weniger Nebenwirkungen), wenn der Hormonlevel konstant bleibt und die Pille nicht so oft ab- und angesetzt wird.
Daher ist auch die Aussage vieler Frauenärzte falsch, die Pille „regle den Zyklus“, denn die Pille unterdrückt den Eisprung und verändert einige Körpervorgänge. Einen natürlichen Zyklus hat man nicht mehr. Auch Probleme wie Zyklusstörungen, Akne etc. werden durch sie lediglich unterdrückt, aber nicht behoben. Setzt man sie irgendwann ab, tauchen dieselben Probleme meist wieder auf.
Diese Wirkmechanismen sind durchaus nicht grundsätzlich negativ, sondern können für viele Frauen positiv sein, da sie eben auch eine einfache, sichere Verhütung bedeuten. Die Nebenwirkungen dürfen dabei nur nicht außer acht gelassen werden.
An dieser Stelle sei noch bemerkt, dass die Pille als Therapieform gegen starke Regelschmerzen vor allem in der Pubertät verschrieben wird. Nach der Pubertät können sich die Regelschmerzen durchaus gemildert haben, sodass die Pille als Therapieform nicht mehr benötigt wird.
Wirkmechanismen der Mikropille:
- Das Gestagen verändert die Gebärmutterschleimhaut.
- Das Gestagen verändert die Konsistenz des Schleimpropfs im Muttermund.
- Das Östrogen verhindert den Eisprung.
Da unter der Pille kein Eisprung stattfindet, der Zervixschleim verändert ist und sich die Temperatur immer auf Hochlagenniveau findet, kann NFP natürlich nicht parallel angewendet werden.
Darstellung eines Pillenzyklus (Mikropille, Vaginalring, Verhütungspflaster):

Einphasige Mikropillen sind Pillen, die Östrogen und Gestagen enthalten und für jeden Tag die gleiche Hormondosis vorsehen. Der Vaginalring und das Pflaster wirken genau gleich, abgesehen davon, dass sie als Plastikring in die Vagina eingeführt bzw. als Pflaster auf die Haut geklebt werden.
Reine Gestagenverhütung wird immer ohne Pause durchgenommen (Minipille) bzw. dauerhaft eingesetzt (Hormonstäbchen, Hormonspirale). Auch hier sind Blutungen nicht aussagekräftig und treten meist nur sporadisch auf.
Bei Mehrphasenpräparaten ist der Langzeitzyklus nicht möglich.
Der natürliche Zyklus
Der natürliche Zyklus unterscheidet sich stark von einem durch die Pille hergestellten Zyklus. Die Periode in gewohnter Stärke in Zusammenhang mit einem Temperaturabfall ist hierbei ein sicheres Zeichen keiner bestehenden Schwangerschaft. Im Umkehrschluss ist es ein fast 100% sicheres Zeichen einer Schwangerschaft, wenn die Hochlage mehr als 18 Tage lang andauert.
Weiterhin dauert ein gesunder natürlicher Zyklus nicht genau 28 Tage an, sondern kann zwischen 24 und 36 Tagen schwanken. Die Hochlagen können zwischen 10 und 17 Tagen variieren. Auch dies ist ein weit verbreiteter Irrtum.
Ablauf des natürlichen Zyklus
Vielen Dank an Stefanie Hettmann für diesen Abschnitt.
Darstellung des natürlichen Zyklus:

Welche Organe sind wesentlich beteiligt?
- Hypothalamus (oberste Schalt- und Regulationszentrale im Gehirn)
- Hypophyse (d.h. Hirnanhangsdrüse, „ausführendes Organ“ der Befehle des Hypothalamus)
- Eierstöcke (schütten als Folge der Hormonstimulation durch die Hypophysenhormone selbst die „eigentlichen“ Geschlechtshormone aus)
- (Nebennierenrinde: die „Testosteronfabrik“ der Frau)
Zu Beginn eines Menstruationszyklus kommt es zur Ausschüttung von GnRH (Gonadotropin Releasing Hormone, zu deutsch: Gonanden (d.h. Geschlechtsorgane) stimulierendes Hormon) im Hypothalamus. Als Folge dieser Ausschüttung werden dann in der Hypophyse die beiden Hormone FSH (Follikel stimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) in die Blutbahn abgegeben. Im Eierstock wird daraufhin eine Gruppe von Primärfollikeln rekrutiert (schon bei der Geburt sind alle Eizellen als Primoridalfollikel angelegt, allerdings gehen 99% davon im Laufe des Lebens „ungenutzt“ zu Grunde), die sich weiter zu Sekundär- und Tertiärfollikeln entwickeln. Dann beginnt quasi ein „Kampf“, welcher der Follikel der „beste“ ist. Der Follikel mit den meisten FSH-Rezeptoren entwickelt sich am schnellsten, sodass im Normalfall nur er zum sogenannten Graaf-Follikel wird. (Dieser ist sehr groß und tritt am Eierstock als Ausbeulung in Erscheinung, die der umherwandernde Eileiter erkennt und dort dann ansetzt).
Um den Tertiärfollikel bildet sich eine spezielle Zellschicht aus, die „Theka interna“, die unter LH-Einfluss Androstendion (ein männliches Geschlechtshormon) bildet. Dieses Androstendion wird in spezielle Zellen des Follikels aufgenommen und dort durch FSH-Einfluss in Östrogene umgewandelt. Aufgrund dieses Zusammenhangs erfolgt zeitverzögert nach dem LH-Peak ein starker Konzentrationsanstieg des Östrogens.
Wenn LH/FSH/Östrogen in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen (nähere Details sind noch nicht völlig geklärt), kommt es zum Eisprung. Damit nicht ständig weitere Eizellen heranreifen (Mehrfachbefruchtungen) kommt es durch den hohen Östrogenspiegel und das Hormon „follikuläres Inhibin“, das der dominante Follikel produziert, zu einem Rückgang der GnRH-Produktion im Hypthalamus, was zum Rückgang des FSH in der Hypophyse und somit zu einer verminderten Follikelreifung führt.
Dieses Prinzip wird von hormonellen Kontrazeptiva ausgenutzt, durch die Zufuhr von Östrogenen und Gestagenen wird die GnRH-Produktion im Hypothalamus gedrosselt (mit oben beschriebenen Folgen).
Nachdem die Eizelle „gesprungen“ ist, kommt es zur Einblutung in den übrig geblieben Follikel („Corpus rubrum“). Das Blut gerinnt anschließend und wandelt sich in Bindegewebe um. Die äußere Zellschicht (Granulosazellen) wachsen unter LH-Einfluss (hoher Spiegel durch LH-Peak) schnell heran und lagern Fette und Lutein (gelbes Protein, daher der Name „Gelbkörper“ bzw. Corpus luteum) ein. Der Gelbkörper produziert Östrogene, LH und vor allem Progesteron, das die Körpertemperatur erhöht, die Gebärmutterschleimhaut (zusammen mit dem Östrogen) auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vorbereitet und Kontraktionen der Gebärmutter verhindert, sodass die Schleimhaut nicht abgestoßen wird. Ohne befruchtete Eizelle geht der Corpus luteum menstruationis nach ca. 14 Tagen (Angaben schwanken hier je nach Lehrbuch erheblich) ein. Dadurch kommt es zum Abfall von Östrogen und vor allem Progesteron und zum Rückgang der LH-Produktion. Durch diesen Hormonabfall wird die Menstruationsblutung ausgelöst, der oberste Teil der Schleimhaut wird abgestoßen.
Dadurch, dass nun die Hormonproduktion stark abgesunken ist, kommt es im Hypothalamus zum Anstieg der GnRH-Produktion. Ein neuer Zyklus beginnt (d.h. rein funktionell betrachtet gehört die Blutung noch zum alten Zyklus, aber da deren Ende ja schwierig abzugrenzen ist, betrachtet man den ersten Blutung als 1. Tag des neuen Zyklus).